Der Städtebau: Er wird permanent öffentlich verhandelt, jede Architektur muss sich dem durch ihn gebildeten Kontext stellen, und doch ist es merkwürdig, dass über seine theoretische Grundlagen keine zusammenfassende Literatur zu finden ist. Gewiss, man findet Literatur über Raumsoziologie, brillante Essays über Atmosphären, Inszenierungen, Machtstrategien in der Stadtplanung. Aber eine grundlegende Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen gerade auch für Studenten oder Berufseinsteiger ist eigentlich nicht verfügbar. Dieter Frick, emeritierter Professor der Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin, hat sich der Aufgabe gestellt, die Lücke zu schließen. Da es so wenige vergleichbare Versuch davor gab, Frick sich nicht auf einen breiten Konsens stützen kann, da er zu erst einmal die Kärrnerarbeit einer Begriffsdefintion vornehmen muss, was Städtebau im Unterschied zu Stadtplanung denn nun eigentlich sei, ist es ihm nur teilweise gelungen, diese Lücke zu füllen. Und doch schmälert dies das erste Verdienst nicht, nämlich auf diese Lücke überhaupt erst hingewiesen zu haben. Städtebau begreift Frick als die baulich-räumliche Organisation von Stadt, als solche sieht er sie als einen Teil der Stadtplanung. Er strukturiert die Begriffe, innerhalb derer sich Städtebau vollzieht: Stadtteil, Quartier, Siedlung, öffentlicher Raum, Freiraum, um nur einige zu nennen. Bei dem umfassenden Anspruch, den sich Frick auferlegt hat, reizt doch manches zum Widerspruch; nicht immer ist man einverstanden, etwa wenn er schreibt, dass sich der öffentliche Raum “in der Regel auch durch seine klar definierte Umschließung” auszeichne: Hier versteckt sich ein normativer Anspruch an den öffentlichen Raum, der etwa fließende Räume der 50er und 60er Jahre ausschließt, und der nicht klar trennt zwischen einer morphologischen Komponente und der politischen, zwischen dem Raum, zugänglich ist und einem, der symbolische Wertigkeit im Herstellen von Öffentlichkeit besitzt. Gerade die Abneigung gegen Stadtkonzepte Moderne, die dabei immer wieder aufblitzt, bereitet Unbehagen, reduziert sie doch die Dimensionen der baulich-räumlichen Stadtgestalt zu sehr auf innerstädtische Raumbilder; die Phänomene der Peripherie bleiben bedauerlicherweise gänzlich unberührt. Und trotzdem: Mit diesem Buch ist die Grundlage gelegt, auf der sich weitere Diskurse über die theoretischen Grundlagen in einer Disziplin entfalten sollten, die so sehr über unsere Umwelt bestimmt.
Christian Holl
Verlagstext
Die baulich-räumliche Dimension von Stadt- und Raumplanung, der Städtebau, ist in der Praxis dominant, in der Theorie hingegen unterbewertet und unterentwickelt. Dies deutlich zu machen und hier einen Weg zur Abhilfe zu beschreiben ist ein erstes Anliegen dieses Buches. Daneben möchte es dazu beitragen, die verbreitete Sprachunsicherheit im Bereich des Städtebaus durch möglichst klare Begriffsbestimmungen einzugrenzen und diese in einen Systemansatz erklärender und normativer Theorie einzuordnen. Im Mittelpunkt der Publikation steht die "baulich-räumliche Organisation" von Stadt. Der Begriff versteht sich gleichermaßen analytisch - wie die Stadt baulich-räumlich organisiert ist -, wie er eine normative Dimension hat: Wie kann und soll die Stadt baulich-räumlich organisiert werden. Bei der Beschreibung der Organisation der vorhandenen Stadt werden sozialökonomische bzw. ökologische Bezugspunkte miteinbezogen; es werden Definitionen gegeben, Sachverhalte bestimmt und diese mit bestehenden Theorie- und Untersuchungsansätzen besonders der neueren städtebaulichen Diskussion in Verbindung gebracht. Zielvorstellungen und die Möglichkeiten ihrer Bewertung werden wie die einzelnen Handlungsfelder (Stadterweiterung, -erneuerung, -umbau), an denen sie zu konkretisieren und zu präzisieren sind, systematisch dargestellt. Dies mündet in einer Darstellung der gegenwärtig aktuellen und geeignet erscheinenden Konzeptionen für eine künftige Form von Stadt - vor dem Hintergrund der ideen- und realgeschichtlichen Erfahrung sowie sozialökonomisch-ökologischen Rahmenbedingungen. Ein besonderes Augenmerk gilt hier der Auseinandersetzung zwischen den gegensätzlichen Positionen der 'kompakten Stadt' und der 'aufgelösten Stadt'. Schließlich werden die Möglichkeiten und Mittel des Eingriffs in die baulich-räumliche Entwicklung der Stadt aufgezeigt. Die gängigen Verfahren und Instrumente der Stadt- und Raumplanung, der Steuerung, werden auf ihr Verhältnis zu den zuvor dargestellten erklärenden und normativen Begriffen und Inhalten untersucht, womit nun zugleich die Theorie auf die Praxis bezogen wird. Diese Zusammenfassung zum Denken und Nachdenken über Städtebau und Siedlungswesen bietet künftigem 'planungspraktischen' Handeln dringend notwendige Einblicke und Anleitungen sowie den theoretischen Unterbau. Aus dem Inhalt:Die vorhandene Stadt (Beschreibung und Erklärung); die zu planende Stadt (Zielvorstellungen und Handlungsfelder); Bauen an der Stadt (Steuerung der Entwicklung).