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Birkhäuser,  2006,  Broschiert,  Bauwelt Fundamente, Band 131, 184 Seiten, 36 Abb. - 19.5 x 14.2 cm

EUR 24,90
Angelus Eisinger

Die Stadt der Architekten. Anatomie einer Selbstdemontage

Schon lange hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Architektur und der Städtebau der Moderne sich mit dem Glauben daran, dass mit neuen Formen und Formatierungen die Gesellschaft gelenkt werden könne, selbst überfordert hat. Und doch hat sich nichts daran geändert, dass "die Planwelten der Architekten und Urbanisten sich nur so blass in den Stadtwirklichkeiten abzeichnen", wie der Autor im Vorwort konstatiert. Eisinger bekennt sich dazu, Städtebau und Architektur in gesellschaftlicher Verantwortung zu sehen, sie erst rechtfertigt es, "konkrete Untersuchungen der Pathologie architektonischer und städtebaulicher Denk- und Arbeitsweisen" anzustellen. Dazu bedient Esininger sich des Instruments der Fallstudie, mit dessen Hilfe er die Evidenz seiner Thesen nachweist. Die Untersuchungsgegenstände sind weit gestreut, sie beinhalten Leitbilder (die funktionalistische Stadt des CIAM), Planungsvorhaben (Englands New Towns), Personen und eine diskursiv konstituierte Organisation (die Smithsons und das Team Ten) und konkrete Planungen wie die Reißbrettstadt Brasilia. Dazu widmen sich einzelne Kapitel Aldo Rossi, Kevin Lynch, der Postmoderne und dem "späten Auftritt der Agglomeration". In allen Fällen findet Esingner Motive, die zu einer gemeinsamen Basis, der Hybris der Moderne zurückführen, sei es der Glaube an die Kraft der architektonischen Form wie bei Rossi und der Postmodernen, sei es im Glauben daran, dass man Dinge neu erfinden müsse (Team Ten). Was Eisinger (bis heute) vermisst, ist eine planerische Haltung, die eine Vorstellung der Veränderung im Laufe der Zeit berücksichtigt und gegenüber den gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen offen ist, sie also auch nicht negieren darf.
Diese alles in allem überzeugende Deutung wiederholt zwar bereits Gesagtes und ist auch selbst nicht frei von Widersprüchen, etwa darin, dass mit Metaphern aus der Medizin gearbeitet wird, die Vorstellung des Organismus als planerisches Leitbild gleichwohl abgelehnt wird. Trotzdem ist sie in ihrer über scheinbare Brüche Kontinuität herstellenden Perspektive aufschlussreich und in ihren detaillierten Analysen lesenswert. Sie ist vor allem darin überzeugend, von Architektur und Städtebau wieder zu fordern, den politischen und gesellschaftlichen Diskurs einzubeziehen und im Scheitern der Moderne nicht den Anspruch gesellschaftlicher Relevanz aufzugeben, sich nicht darauf zu beschränken, Bilder zu produzieren, sondern auch nach den Deutungs- und Interpretationsmustern zu fragen, die aus diesen Bildern erst Orte machen. Die Begrenztheit der Mittel zur Kenntnis zu nehmen, reduziert nicht die Komplexität der Aufgabe – Eisinger weist nach, dass das Gegenteil der Fall ist. Worauf es ankommt ist, die Aufgabe des Planens und Bauens in ihren Rahmenbedingungen zu verorten, und die Wechselbezeihungen zwischen beiden neu zu sehen. Denn die Stadt lebe nicht von ihren Bauten, sondern mit ihnen. Das ist das paradoxe Fazit Eisingers: Architektur und Städtebau werden erst wieder relevant, wenn sie ihre Relevanz nicht überschätzen.
Christian Holl

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