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Werk, Bauen + Wohnen 10-2006. Burkard, Meyer et cetera

Im ABB-Areal in Baden, das nur noch teilweise industriell genutzt wird, entsteht ein Berufsbildungszentrum, das mehrere grössere Bauten umfasst. Burkard, Meyer. haben zwei Neubauten errichtet und ein drittes, das ehemalige Wohlfahrtsgebäude, saniert und der neuen Nutzung angepasst. Die Bauten sind über das Areal verteilt, ordnen sich ein – das Sportgebäude ist gar Teil der Topografie, zur Hälfte eingegraben, erscheint es als raumhaltige Stützmauer. Gleichwohl beschränken sich die Eingriffe nicht auf ein unsichtbares Ergänzen des Bestandes. Sie heben sich deutlich von ihm ab, fallen auf, wollen gesehen werden. So bildet der Schulbau an der Bruggerstrasse zusammen mit den Kaminen des gegenüber liegenden Turbinenprüfstandes ein neues Tor zur Stadt Baden. In die Rampe, die als eigenständiges Bauwerk vorgelagert ist und zum Haupteingang hochführt, ist die Bushaltestelle integriert. Auch damit wird die Wichtigkeit der neuen Institution signalisiert. Zudem bildet das einstige Wohlfahrtshaus von Armin Meili, 1954 der Arbeiterschaft übergeben, den weitherum sichtbaren, krönenden Abschluss des Areals. Sich einordnen und doch auffallen: das ist ein wesentliches Merkmal des Berufsbildungszentrums – und der gemeinsame Nenner der in diesem et cetera Heft vorgestellten Bauten. Ansonsten könnten sie unterschiedlicher nicht sein, die erwähnten Gebäude in Baden, das Busterminal in Baden-Rütihof von Knapkiewicz & Fickert, die beiden Wohnhäuser in Zürich von Peter Märkli respektive von huggen_berger architekten und das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart von UN-Studio. Die Vielfalt der zeitgenössischen Architektur ist eine längst bekannte Tatsache; Heinrich Hübschs 1828 gestellte Frage «in welchem Style sollen wir bauen» wird seit Jahren von jedem Architekten und jeder Architektin anders und immer wieder neu beantwortet. Eine Folge dieses fortschreitenden Individualisierungsprozesses ist die Pulverisierung des städtischen Gefüges, in dem Gebäude in ihrer jeweils eigenen Sprache um Aufmerksamkeit buhlen. Dabei geht die Ensemblewirkung oft verloren. Anders bei den Bauten in diesem Heft, die sich städtebaulich einordnen, teilweise gar «Stadtreparatur» betreiben, in ihrer architektonischen Ausdrucksweise aber eigenständig sind. Die dadurch entstehende Reibung mit dem Kontext befördert zweifellos die atmosphärische Dichte des Ortes. Die Bandbreite solcher Eingriffsmöglichkeiten ist gross, auch das zeigt unser Heft. Im Falle der beiden Wohnbauten türmen sich die Geschosse zur Strasse hin auf und verstärken die Präsenz der relativ kleinen Volumina. Das Busterminal mit seinem bunten Innenleben beeindruckt mit einer imposanten Flügelkonstruktion, und das Mercedes-Benz-Museum, das so nah wie möglich an die Autobahn gerückt ist, erhebt sich mit seinem eingeschossigen Sockelbau gewissermassen auf dem «Präsentierteller», damit es vom Auto aus optimal zur Geltung kommt.
Die Werk, Bauen + Wohnen Redaktion

Thema
Martin Tschanz
Klassisch und innovativ Berufsbildungszentrum Baden von Burkard, Meyer. Architekten

Karin Gimmi
Nobilitierung des Arbeiters Das Gemeinschaftshaus der BBC in Baden von Armin Meili

Barbara Wiskemann
Der Städtebau an der Ecke Wohnbau an der Hohlstrasse in Zürich von Peter Märkli, mit Gody Kühnis

Beat Aeberhard
Ein zweiteiliges Ganzes Mehrfamilienhaus an der Zurlindenstrasse in Zürich von huggen_berger architekten

Sabine von Fischer
Reiselust Busterminal für Twerenbold Reisen in Rütihof von Knapkiewicz + Fickert Architekten

Petra Hodgson
Kultstätte des Automobils Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart-Untertürkheim von UN-Studio

Forum
Kolumne: Igor Bauersima
EFH: Haus Tumilasca in Fürstenaubruck bei Thusis von Gion Caminada
Bauten: Wohnhäuser von Tschuppert Architekten in Luzern und von
Covas Hunkeler Wyss Architekten in Teufen
Wettbewerb: Stadterweiterung Bern-Brünnen und Wettbewerb Grünräume
Innenarchitektur: Einbau der städtischen Schulzahnklinik in Zürich Enge von Patrick Hönig
Nachruf: Ernst E. Anderegg
bauen + rechten: Submission wegen Subvention
68 Bücher: Kunststoffbauten
Auszeichnungen: Distinction romande d’architecture
Ausstellungen | Veranstaltungen | Wettbewerbe
Produkte | Neuerscheinungen

werk-Material
Tschuppert, Brunner, Zarriello, Luzern: Mehrfamilienhaus am Höhenweg, Luzern
Covas Hunkeler Wyss Architekten, Zürich: Wohnhaus in Teufen AR

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