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Für Rem Koolhaas bietet AMO den organisatorischen Rahmen für die Arbeit jenseits konventioneller Architektur. Das Heft setzt sich mit der bereits in dieser projektiven Definition des Arbeitsfeldes angedeuteten Vielfalt auseinander und präsentiert Projekte wie die Ausstellung Das Bild Europas für die EU, die Erweiterung der Eremitage in St. Petersburg, eine Studie zur Arbeitsplatzgestaltung eines Hedge-Fonds in Chicago sowie die Vielfalt der Projekte für Prada. Trotz der vordergründigen Verschiedenheit dieser Arbeiten gibt es in der Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten zur Verschmelzung von realem und virtuellem Raum auch eine große Gemeinsamkeit. Denn daran zeigt sich auch, wie sich Kulturalisierungstendenzen auf die Architektur auswirken, wenn die bildgebenden Verfahren/Projektionen nicht nur gleichwertig neben den physischen Raum treten, sondern zu seiner eigentlichen Substanz werden. Bei unserer Auseinandersetzung mit AMO wird es also auch darum gehen, was eine Ausweitung architektonischen Denkens auf andere Bereiche als Strategie auch für die Disziplin selbst zu leisten im Stande sein könnte. In diesem Sinne beschäftigen sich Peter Sloterdijk und Mark Leonard mit der “virtuellen” Identität Europas, die in den Arbeiten von AMO sichtbar werden. Dagegen untersucht Markus Schäfer die hybride Räumlichkeit der Projekte für Prada, während Annette Baldauf in ihrem Text diese Ansätze kritisch hinterfragt. Und Robert Misik gibt mit seinen Überlegungen zum “Kulturkapitalismus” einen Ausblick auf die Hintergründe, vor denen diese Strategien zum Einsatz kommen. In diesem Sinne ist auch die Rhetorik des Büros interessant, mit der sich Frederic Jameson und Angelika Schnell in ihren Texten über die Publikationen von Koolhaas beschäftigen. Zum Abschluß unternimmt Jörg H. Gleiter den Versuch, anhand der Techniken des Büros eine neue “Praxis der Architektutheorie” zu entwickeln. Parallel zu der bereits im Heft 174 begonnenen Diskussion um Post-Criticality wird es im zweiten Teil des Interviews um Fragen der Modernisierung und der Möglichkeit eines politischen Subtextes gehen.
Pro-jekte und Pro-jektionen – OMA/AMO
archplus hat die Arbeit von Rem Koolhaas seit Mitte der 1980er Jahre stetig begleitet. Die Herangehensweise von OMA unterschied sich damals deutlich von anderen Positionen der Zeit. Denn in einem Feld zwischen Post-Moderne und Dekonstruktion schien in den Arbeiten von OMA eine moderne Haltung zu Architektur und Gesellschaft fortzuleben. Der unverklärte Blick auf die Realität und die rätselhaften Antworten mit ihrer lebendigen Radikalität trugen Rem Koolhaas in dieser Zeit den fast unverwüstlichen Ruf eines kritischen Architekten ein, der zwar viel spricht, jedoch wenig verstanden wird und noch weniger baut. Heute, nach S,M,L,XL, nach Content, nach unzähligen Beiträgen für Zeitungen und Fernsehen und nicht zuletzt nach der Fertigstellung einer Vielzahl kleiner und großer Bauwerke hat sich die Situation vollständig geändert: Koolhaas ist massentauglich geworden und die Radikalität seiner Entwürfe vorhersehbar. Es scheint, daß das Verhältnis sich umgekehrt hat und die Kritik an Koolhaas zum Mainstream geworden ist. Warum also gerade jetzt ein Heft über OMA? Und warum eines über AMO? Dafür gibt es mehrere Gründe.
Zum einen läßt sich nun anhand einer hinreichenden Anzahl fertiggestellter Projekte der Ansatz der konzeptionellen Architektur an der gebauten Realität überprüfen. Und zum anderen sind bei näherer Betrachtung Koolhaas’ Position und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten gerade in einer Zeit interessant, in der eine sinnvolle Differenz zwischen Kultur und Kommerz immer weniger möglich erscheint.
Inhalt:
04 Zeitung 175
12 Design: Design in archplus
14 Das Immersionsprinzip
16 Rem Koolhaas im Gespräch, Teil 2*
18 Das Bild Europas
28 Europa als dramaturgisches Phänomen
32 Ein neues Image für Europa
34 Prada Epicenter LA
36 OMA/AMO – Architektur als Medium
58 Prada Epicenter New York
60 Prada Epicenter Shanghai
64 Prada Events
67 Brandscapes
71 Kulturkapitalismus
74 Reading Junkspace
78 Der Berg muß ein Buch werden
83 Das Versäumnis der Moderne
84 Eremitage
90 Hedge-Fond
94 Zur Praxis der Architekturtheorie heute
98 Partner und Credits