Zur Geschichte deutsch-russischer Architekturbeziehungen (Untertitel)
Der Autor setzte mit seiner Monografie über den badischen Baumeister Wilhelm von Traitteur (1788-1859), der einige Jahre in St. Petersburg verbracht hatte, bereits Maßstäbe. Reden wir heute von Globalisierung, so erweist sich das 19. Jahrhundert zumindest bereits europäisiert – welchen Kulturschaden die Weltkriege angerichtet haben, lässt sich erst nach und nach ermessen. Der deutsche Ingenieur Carl Friedrich von Wiebeking (1788-1842) trug mit einer regen Publikationstätigkeit dazu bei, dass das explodierende bautechnische Wissen aus Frankreich nach Deutschland und bis nach Russland kam. Verkehrswesen und damit Wasser- und Brückenbau bildeten einen Schwerpunkt in seiner Interessenlage. Über den Preussischen Staatsdienst kam Wiebeking über Wien (1802) und Tirol nach Bayern (1805), von wo aus er erste Kontakte nach Russland, genauer gesagt: St. Petersburg knüpfte. Dort sollen die ersten Ingenieurschulen eingerichtet werden, Rat und Tat holen sich die Russen in Frankreich und auch in Bayern: Wiebeking, der Kommunikator, gelingt es mit seinen Publikationen, den Wissenstransfer einzuleiten. 1817 scheidet Wiebeking aus den Staatsdiensten aus, wird aber noch weitere fünfundzwanzig Jahre lang publizieren – heute sind seine Werke Schätze für jeden Bauhistoriker. Sie dokumentieren den Stand des europäischen Bauwesens zu einer Zeit, in der überall in Europa die spezialisierten Bau- und Ingenieurschulen entstehen. Fedorov kann aus vielen Quellen schöpfen und legt anschaulich dar, wie der Weg Wiebekings in das Panorama einer aufregenden Epoche beginnender Wissenschaftlichkeit im Bauen passt. Ohne eine Forschungsförderung lässt sich ein solches Buch leider nicht mehr schreiben: das Osteuropa-Institut in München war maßgeblich dabei.